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    AMT bei Kleingelenken: Hallux rigidus am AGA-Kongress 2026

    Dr. med. Mirko Velickovic stellte am AGA-Kongress 2026 Ergebnisse zur autologen Mikrotransplantation bei Hallux rigidus vor: Der AOFAS-Score stieg in zwölf Monaten von 45,22 auf 79 Prozent.

    MVDr. med. Mirko VelickovicOrthopädie, Unfallchirurgie und Fußchirurgie, Gifhorn
    5 Min. Lesezeit

    Key Takeaways

    • 20 Patient:innen mit Hallux rigidus wurden zwischen März 2025 und Juli 2026 mit autologer Mikrotransplantation (AMT) behandelt.
    • Der AOFAS-Score stieg im Mittel von 45,22 Prozent auf 79 Prozent zwölf Monate nach dem Eingriff (p < 0,001).
    • Der Anteil der Behandelten, die zumindest gelegentlich Schmerzmittel brauchten, sank von 75 Prozent auf 10 Prozent.
    • Das Transplantat stammt aus dem Ohrknorpel; in das Großzehengrundgelenk werden 1,5 bis 2 ml injiziert.

    Beim AGA-Kongress 2026 in Innsbruck hat Dr. med. Mirko Velickovic — Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Fußchirurgie in Gifhorn — ein ePoster zur Behandlung des Hallux rigidus mit autologer Mikrotransplantation vorgestellt. Die Untersuchung ist deshalb bemerkenswert, weil sie die AMT erstmals systematisch an einem Kleingelenk prüft: dem Großzehengrundgelenk.

    Worum es geht: Hallux rigidus

    Der Hallux rigidus ist eine Arthrose des Großzehengrundgelenks. Das Gelenk versteift und schmerzt. In Deutschland sind schätzungsweise 2 bis 3 Prozent der Menschen über 50 Jahre betroffen. Die Folgen reichen von Schuhkonflikt und verkürzter schmerzfreier Gehstrecke bis zu dauerhafter Schmerzmitteleinnahme. Operative Verfahren wie Cheilektomie, Osteotomie oder Resektionsarthroplastik führen nicht in jedem Fall zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

    Aufbau der Untersuchung

    Zwischen März 2025 und Juli 2026 wurden 20 Patient:innen prospektiv begleitet. Sie waren zwischen 55 und 79 Jahre alt, im Mittel 62,75 Jahre, der Median lag bei 65 Jahren. Die Einstufung erfolgte nach Coughlin und Shurnas in den Stadien 1 bis 3.

    • Bei 11 Personen (55 Prozent) bestand ein Schuhkonflikt.
    • Bei 14 Personen (70 Prozent) war die schmerzfreie Gehstrecke eingeschränkt — auf 100 bis 2.000 Meter.
    • 8 Personen (40 Prozent) nahmen regelmäßig Schmerzmittel ein.

    Wie die Behandlung abläuft

    Zunächst wird der Nervus auricularis posterior mit 2-prozentigem Lidocain betäubt, anschließend das Ohr selbst. Aus der Concha — unter Schonung des vorderen Anteils — werden mit einer 2,5-mm-Stanze drei Knorpelzylinder entnommen. Das Gewebe wird rein mechanisch zerkleinert, bei etwa 80 Mikrometern gefiltert und nach dem Rigenera-Protokoll zu einer injizierbaren Suspension aufbereitet. Üblicherweise entstehen dabei 4 ml; weil das Großzehengrundgelenk klein ist, werden davon nur 1,5 bis 2 ml injiziert.

    Ergebnisse nach zwölf Monaten

    Erhoben wurde zu Beginn sowie nach 1, 3, 6 und 12 Monaten. Der AOFAS-Score für den Hallux lag zu Beginn bei durchschnittlich 45,22 Prozent und stieg nach zwölf Monaten auf 79 Prozent (p < 0,001, Cohens d = 0,359). Der deutlichste Sprung zeigte sich bereits im ersten Monat, danach stieg der Wert flacher weiter an. Parallel dazu sank der Schmerzwert auf der visuellen Analogskala über den gesamten Beobachtungszeitraum.

    Am deutlichsten fiel der Rückgang beim Schmerzmittelbedarf aus: Regelmäßig eingenommen hatten sie zu Beginn 8 Personen (40 Prozent), nach zwölf Monaten noch eine (5 Prozent). Bei Bedarf griffen zu Beginn 7 Personen (35 Prozent) zu Schmerzmitteln, danach ebenfalls nur noch eine (5 Prozent). Insgesamt sank der Anteil derer, die überhaupt Schmerzmittel brauchten, von 75 auf 10 Prozent.

    Was die Bildgebung zeigt

    Die Aufnahmen vor und nach dem Eingriff zeigen eine deutliche Verbreiterung des Gelenkspalts und eine gute Verteilung der Suspension im Gelenk. Auch die MRT-Kontrolle nach zwölf Monaten zeigt den erweiterten Gelenkspalt.

    Grenzen der Untersuchung

    Die Untersuchung umfasst 20 Personen und arbeitet ohne Kontrollgruppe — die Ergebnisse sind damit ein Hinweis, kein Wirksamkeitsnachweis. Für die im selben ePoster gezeigte Rhizarthrose, die Arthrose des Daumensattelgelenks, reicht die Datenlage nach Angabe des Autors noch nicht aus, um eine Aussage zu treffen.

    ePoster als PDF ansehen

    Treatment of Hallux rigidus by Autologous Micrografting Technology (AMT) — A Prospective Cohort Study. Dr. med. Mirko Velickovic, AGA-Kongress 2026. PDF, 4,4 MB, englisch.

    Häufige Fragen

    Was ist die autologe Mikrotransplantation?

    Die autologe Mikrotransplantation, kurz AMT, gewinnt körpereigenes Gewebe — bei orthopädischen Anwendungen Knorpel aus dem Ohr — und bereitet es rein mechanisch zu einer injizierbaren Zellsuspension auf. Chemisch aktive Zusätze kommen nicht zum Einsatz. Der Eingriff ist ambulant, dauert etwa 30 Minuten und erfordert kein OP-Umfeld.

    Eignet sich die AMT auch für kleine Gelenke?

    Genau das ist die Frage, der dieses ePoster nachgeht. Für das Großzehengrundgelenk zeigt die Untersuchung nach zwölf Monaten deutlich bessere AOFAS-Werte und einen stark gesunkenen Schmerzmittelbedarf. Entscheidend ist die angepasste Injektionsmenge: 1,5 bis 2 ml statt der sonst üblichen 4 ml.

    Wie viele Behandlungen sind nötig?

    In dieser Untersuchung erhielten die Teilnehmenden eine einzige Behandlung, aus der sich die Werte über zwölf Monate entwickelten.

    Wer hat die Untersuchung durchgeführt?

    Dr. med. Mirko Velickovic, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Fußchirurgie in Gifhorn. Vorgestellt wurde das ePoster am AGA-Kongress 2026.

    HBE Healthcare

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